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Gedanken über die Zeit nach dem Krieg

Aktualisiert: 13. Juli

Ich wage die gewagte Prognose, dass es, wenn Mariupol fällt, Frieden geben könnte.


Seit 2014 ist es der russischen Seite nicht gelungen das Gebiet des Donbass vollständig, also die Provinzen Donezk und Luhansk in Gänze, einzunehmen. Damit ist bisher auch noch nicht die Grundlage dafür gelegt die aus strategischer Sicht wichtige Landbrücke vom Donbass zur Krim herzustellen und das Asowsche Meer zu einem russischen Binnenmeer zu machen.


Ich will nicht unterstellen, dass Putin vielleicht doch keinen Durchmarsch beabsichtigte, aber dennoch könnte die landesweite Bindung der ukrainischen Armee von vorne herein einen Plan B beinhaltet haben. Gelingt die Machtübernahme in Kiew nicht, wird mit dem gleichzeitigen Angriff an möglichst vielen Fronten und dem stetigen Fernbeschuss aller anderen Landesteile die ukrainische Armee flächendeckend gebunden. Damit kann die Ukraine zur Verteidigung des Donbass und von Mariupol keine zusätzlichen Truppenteilen aus anderen Regionen zusammenziehen.





Die aktuelle fachliche Bewertung der Lage von außen gesehen ist, dass Plan A durch Putin kaum mehr zu realisieren ist. (Es sei denn, er reibt seine Armee völlig auf und sein Land in den Bankrott.) Da Putin selbst bereits erklären hat lassen, dass sich das Kriegsziel nun auf den Donbass konzentriert, scheint Plan B zumindest nicht unwahrscheinlich. Ein dauerhafter Waffenstillstand könnte mit Erreichen dessen geschlossen werden, da sich beide Seiten einen Sieg zuschreiben könnten. Russland weite Gebietsgewinne und und die Befreiung der russisch stämmigen Bevölkerung (auch wenn diese dann vertrieben oder ermordert ist). Die Ukraine den erfolgreichen Widerstand Davids gegen Goliat (auch wenn es kaum Geländerückgewinne gibt).


Ein Friedensvertrag in dem Sinne rückt dann in weite Ferne, da die Ukraine eine faktische Zweiteilung des Landes nicht akzeptieren kann und wird. Spätestens in der Nach-Putin-Ära ist damit zu rechnen, dass der schwelende Konflikt wieder aufbricht. Bereiten wir uns und die Ukraine rechtzeitig darauf vor.


Andreas Karisch

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